Soulige Stimmen, Pizza und Skinhead-Reggae: Ein magischer Abend mit The Pioneers

Veröffentlicht am 19. Juni 2026 um 16:03
The Pioneers sah ich zuletzt 2002 am Potsdamer Skafest, zusammen mit dem leider erst kürzlich verstorbenen Stranger Cole. Schändlicherweise kann ich mich an den Auftritt von letzterem nicht mehr so recht erinnern. Aber die Pioneers hauten mich damals komplett um. Was gab es Schöneres, als eine laue Sommernacht im Potsdamer Lindenpark und diese souligen Stimmen und Hits live zu erleben? Damals stand noch das klassische, vollständige Trio inklusive Sidney Crooks auf der Bühne, perfekt begleitet von der Backing-Band King Banana..
 
Immerhin noch zwei Legenden durfte man am vergangenen Wochenende beim Auftritt der Pioneers im gemütlichen Winterthurer Lok.al erleben: George Dekker und Jackie Robinson. Bei ihren unvergesslichen Hits wie „Long Shot Kick De Bucket“, „Let Your Yeah Be Yeah“ oder „Reggae Fever“ spürte man auch heute noch die pure Musikgeschichte. 
 
Dass der Abend ein voller Erfolg werden würde, zeichnete sich früh ab: Mit gut 400 Zuhörern war die kleine, feine Location restlos ausverkauft. Auch das Rahmenprogramm wurde von der Eulach Vibes Crew mit viel Liebe zum Detail aufgezogen. Es passte einfach alles zusammen: Holzofen-Pizza, Chili Sin Carne, ein Plattenstand von RudeZone plus DJ Volcanic Heat – was will man mehr?
 
Als Vorband und Backing-Band der Pioneers setzte man auf die Travelers All Stars aus Mexiko-Stadt. Die Band lieferte bei den eigenen Liedern und Covern einen extrem druckvollen Auftritt ab und bewies eindrücklich, warum sie derzeit das wohl Beste sind, was man in Sachen traditionellem Skinhead-Reggae zu hören bekommt. Ich bin kein überaus grosser Kenner der Szene, aber das war schon sehr beeindruckend – wuchtig, intensiv und genau so, wie Reggae live klingen muss.
 
Danach übergaben sie das Feld an die Hauptattraktion des Abends. George Dekker und Jackie Robinson, beide inzwischen stolze Ende 70, haben nichts von ihrer Faszination verloren. Sie begeisterten das Publikum noch immer mit ihren unverkennbaren, wunderbar souligen Stimmen – denn genau dieser tiefe Soul-Einfluss ist es, der ihre Harmonien seit den 1960er-Jahren so unsterblich macht.
 
Der einzige Wermutstropfen des Abends war die Rolle als Backing-Band: Während die Travelers All Stars im eigenen Set komplett überzeugten, zeigten sich bei der Begleitung der beiden Jamaikaner ziemliche Abstimmungsprobleme. Man merkte sofort, dass der wuchtige, eigene Stil der Band und der spontane Gesang der Legenden ohne gemeinsame Probenzeit im Blindflug aufeinanderprallten. Fast jedes Lied musste zwei- oder dreimal neu angesetzt werden, bis Rhythmus und Einsätze passten. Der grandiosen Stimmung im ausverkauften Saal tat dieses musikalische Stolpern aber kaum einen Abbruch
 
Unter den treuen Zuhörern sah man viele ältere, aber erfreulicherweise auch ein paar jüngere Skinheads sowie Musikliebhaber, die mit der traditionsreichen Subkultur rund um Bands wie die Pioneers aufgewachsen sind. Alles in allem ein geschichtsträchtiger und trotz kleinerer Patzer rundum gelungener Abend!
 

Verschwommen, aber glücklich: Der Sound war zum Glück schärfer als meine Handykamera.

Potsdamer Ska-Fest 2002

Stolz vor dem Coretex Records in Kreuzberg. Wenn man wie ich in der Schweizer Provinz aufwuchs, deckte man sich bei solchen Ausflügen mit Platten und vor allem Kleidern ein, welche auch online kaum erhältlich waren.

Schlagwörter: The Pioneers, Travelers All Stars, Lok.al Winterthur, Eulach Vibes, Stranger Cole, Early Reggae, Skinhead Reggae, Rocksteady, Ska, Konzertbericht, Live Musik Schweiz.

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