Brühl – Inter – Wil

Veröffentlicht am 15. August 2026 um 12:45

Die Lebenswege der Ostschweizer Gebrüder und Fussballpioniere Alfred (1890 - 1957) und Ernst Peterli (1891 - 1957) glichen sich bis in ihr Todesjahr 1957

Gastbeitrag von Fabian Brändle für The Terrace Companion

Die Ostschweiz setzte bekanntlich wichtige Wegmarken bei der Verbreitung des Fussballsports. Denken wir nur an die „Wiget Institute“ in Rorschach oder Kaltbrunn SG der 1870er Jahre, wo Fussball auf den Lehrplänen stand, denken wir an den FCSG 1879, den von Briten mitbegründeten ältesten noch bestehenden Club auf dem europäischen Kontinent. Für den Stadtrivalen Brühl in St. Gallen war bereits für 1890 ein Team namens „Footballclub Gymnasia“ dokumentiert, die offizielle Vereinsgründung erfolgte 1901. Ab 1909 fanden die Heimspiele auf der Weihersweid in St. Georgen, auf dem Areal des heutigen Einkaufszentrums Grossacker im Osten der Textilstadt statt. Im Jahre 1915 konnte mit dem Schweizermeistertitel der bisher grösste Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert werden.

Der Wiler Ernst Peterli spielte bis 1909 für den SC Brühl, ehe er nach Italien zu „Internazionale“ („Inter“) wechselte. Damals war der Professionalismus auch in Italien noch verboten. Dies sollte erst unter den Faschisten im Jahre 1916 ändern. Das heisst freilich nicht, dass nicht illegale Gelder an Spieler oder Trainer flossen. Die Zuschauer:innenzahlen waren jedenfalls bereits beachtlich, konnten 10.000 „tifosi“ leicht überschreiten. Ernst Peterli, der treffsichere Stürmer aus der Äbtestadt, fühlte sich in der Lombardei sichtlich wohl und fiel sogar dem künftigen Weltmeistertrainer Vittorio Pozzo auf. Ernst Peterli wurde auf Anhieb Meister und ergatterte sich gar die Goalgetterkrone (25 Tore in 16 Partien). Nach einem weiteren Gastspiel in der bedeutenden oberitalienischen Industriestadt kehrte Ernst Peterli (in Italien auch „Peterly“ geschrieben) am Vorabend des Ersten Weltkriegs gezwungenermassen in die Heimat zurück, wo er 1915 mit seiner internationalen Erfahrung und seinem Können ein Teil wichtiger Bestandteil der Meistermannschaft Brühls wurde. Zudem absolvierte Ernst Peterli 1913 – 1918 fünf Länderspiele für die Schweiz.

Nach seiner Karriere wirtete Ernst Peterli auf dem angesehenen Gasthof „Sonne“ in Wil, wo er gerne von „the good old days“ in Milano erzählt haben dürfte, auch vom Meisterpokal mit Brühl, von seinen vielen Toren … .

Auch Bruder Alfred Peterli, beinahe gleich alt, spielte 1914 bei „Inter“, war später hoher Offizier, Major, der Schweizer Armee. Nach der Karriere handelte der Kaufmann mit Zigarren der Firma Villiger, besass eine Firma in Zürich, die Mineralwasser produzierte und war ein Freund von Theateraufführungen, stand auch selbst gerne auf der Bühne, die ihm vielleicht Ersatz für Stadien in Turin oder Genua waren. Zudem mochte Alfred Peterli den Reitsport, war Mitglied eines Clubs und ritt auch um Medaillen und Ehre mit.

Quelle: wilnet.ch (Werner Warth)

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